Schwarze Wolken brauten sich da am Freitagabend (25. August 2006) über Berlin zusammen, Blitze zucken am Himmel der Metropole. Was auf den unbedarften Beobachter wie ein grandioses Naturschauspiel wirkt, führt im Norden der Stadt zu dramatischen Zuständen. Genau über Reinickendorf öffnet der Himmel seine Schleusen: 130 Liter Regenwasser pro Quadratmeter fallen in nur zwei Stunden auf den Bezirk. „Das Wasser rauschte hier einfach nur so rein“, berichtet am nächsten Morgen die immer noch ganz aufgewühlte Wirtin einer Eckkneipe. Auf einem kleinen Tablett reicht sie Kaffee. „Ihr seid doch schon die ganze Nacht...“, bricht sie ab und bedankt sich auf diese Art beim THW. Sie erlebte, wie der Regen die Straßen unter Wasser setzte, musste mit zusehen, wie sich die Wassermassen ihren Weg in die Häuser suchten. Nun stehen in vielen Tiefgaragen die Autos bis zum Dach unter Wasser, sind Straßentunnel und Fahrstuhlschächte abgesoffen. Die Feuerwehr hat den Ausnahmezustand ausgerufen und das Technische Hilfswerk alarmiert.
Schon die ganze Nacht hindurch laufen die Pumpen des THW-Ortsverbandes Friedrichshain-Kreuzberg in der Reinickendorfer Klixstraße auf Hochtouren. Die Helferinnen und Helfer sind erschöpft, nach rund neun Stunden Einsatz kein Wunder. „Überall Wasser..“, mit diesen Worten begrüßt THW-Gruppenführer Christian Schröder am Samstagmorgen die neuen Einsatzkräfte und freut sich auf die Ablösung. Genau um 8.00 Uhr rücken jetzt die Helferinnen und Helfer des THW-Ortsverbandes an, die an diesem Tag eigentlich die Berliner Feuerwehr beim ganz regulären samstäglichen „Feuerwehrdienst“ unterstützen sollten. Schon an ganz „normalen“ Feuerwehrdiensttagen sind die vom THW dann eingesetzten Teams gut gefordert. Dieser Samstag jedoch hat es in sich: Die nächtlichen Unwetterschäden sind noch gar nicht alle beseitigt, da schlägt ein neues Unwetter zu. Jetzt trifft es die östlichen Stadtbezirke. Starker Regen rauscht in den Mittagsstunden auf Marzahn und Hellersdorf nieder. Im THW-Gerätekraftwagen meldet sich die Zentrale: „Einsatz Wasserschaden Hellersdorf, Tangermünder Straße 106“, plärrt es aus dem Funkgerät, „Nutzung Blaulicht und Martinshorn freigegeben.“ Als das Fahrzeug am Einsatzort eintrifft, strömen sofort die Bewohner des Mietshauses heraus, zeigen Gruppenführer Ronny Gohlke das Untergeschoss. Alle Keller der Mieter stehen unter Wasser, abgestellte Möbel und Kartons nehmen Schaden. Gohlkes Einsatzteam wirft das Notstromaggregat und die Pumpe an, die Bewohner atmen auf. Zwei Hauseingänge weiter hat eine Gruppe vom THW-Ortsverband Berlin-Mitte die Pumpen in Betrieb. Wieder zwei Eingänge weiter legen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Kaulsdorf einen Keller trocken. Gleich um die Ecke in der Hellersdorfer Promenade kommt ein weiteres Team vom THW-Ortsverband Friedrichshain-Kreuzberg zum Einsatz. Und so geht es weiter an diesem Tag. In einer kurzen Pause macht sich ein THW-Helfer laut Gedanken über den Zusammenhang von Klimawandel und Einsatzgeschehen: „Wir waren doch erst Anfang Juli nach nem Unwetter die ganze Nacht am pumpen, wie soll das nur weitergehen....“