14.10.2005
THW-Alarmübung im Tunnel der Berliner U-Bahn

Fahrgäste im Berliner U-Bahnhof Jungfernheide blickten am vergangenen Montag, 10. Oktober, teils neugierig und teils ängstlich auf einen abgesperrten Bereich des Bahnsteiges. Mitglieder aus dem Technischen Hilfswerk (THW) verschwanden mit Rettungstragen in den dunklen Tunnel. Andere hatten  Atemschutzmasken aufgesetzt und zogen mit einer Leiter in die gleiche Richtung. Die THW-Einsatzleitung gab Helfern Anweisungen für die nächsten Rettungsaufgaben. Nur die weiße Armbinde eines Teilnehmers der blau gekleideten Crew mit der Aufschrift „Schiedsrichter“ wies darauf hin, dass es sich hier (glücklicher Weise) „nur“ um eine Übung handelte.

Berlin besitzt als einzige deutsche Großstadt einen Tunnel-Abschnitt der U-Bahn zum Training im Katastrophenschutz. 67 Helfer aus drei Berliner Ortsverbänden beteiligten sich jetzt an der ersten Übung ausschließlich für THW-Einsatzkräfte. Niemand von ihnen wusste bei der Alarmierung, dass keine Gefahrenlage bestand. Erst am U-Bahnhof wurde rasch klar: Dies ist ein Test für die Zusammenarbeit insbesondere zwischen der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) und dem THW.

Ein defektes Bremssystem ließ einen Zug entgleisen; so die Übungsannahme. Das U-Bahn-Personal habe die meisten Fahrgäste bereits über den Notausstieg aus dem Tunnel geführt. Verletzte Personen könnten jedoch noch im Waggon sein. Herumliegende Papierschnitzel und Unachtsamkeit führten obendrein zu einem kleinen Schwelbrand, der die Rettungsarbeiten durch Rauch erschwerte. Die Berliner Feuerwehr hatte unterdessen ihre Brandbekämpfer im erheblichen Ausmaß an einer anderen Stelle der deutschen Metropole bei einem Großeinsatz gebunden. Nach dem gelöschten Schwelbrand waren daher ehrenamtliche THW-Helfer gefragt. Ihre Aufgaben: Erkunden der Lage einschließlich Eigensicherung der Helfer durch Abschalten des Fahrstromes, Retten, Betreuen und Versorgen von möglichen Verletzten, Ausleuchten des Einsatzgebietes. In einer ersten vorläufigen Bilanz der rund dreistündigen Übung waren sich BVG-Vertreter, Feuerwehr-Beobachter und THW-Übungsleitung in der positiven Bewertung einig. „Professionell und klar strukturiert“ lauteten die Kommentare. Alle Teilnehmer aus den drei Berliner THW-Ortsverbänden Friedrichshain-Kreuzberg, Reinickendorf und Tempelhof-Schöneberg hatten zuvor von der BVG eine theoretische wie praktische Ausbildung als Voraussetzung erhalten. Dabei standen im Mittelpunkt: Verhalten im Tunnel und Kurzschließen der Stromschiene. Die Hälfte aller Berliner THW-Ortsverbände befinden sich inzwischen auf gleichem Niveau.

Text mit freundlicher Genehmigung von Horst Engelhardt.

Anmerkung: Kamerad Engelhardt ist gelernter Journalist, Redakteur und Korrespondent mit Volontariat bei der Frankfurter Rundschau. Er war über viele Jahre Redakteur dieser Zeitung. Dem folgten 4 Jahre als Auslandskorrespondent mit Standort Madrid für die überregionale Tageszeitung „Die Welt“ und anderen Printmedien, sowie Rundfunk und TV. Neben seiner heutigen Tätigkeit als Pressereferent und Marketingleiter der BKK Berlin, ist er seit vielen Jahren ehrenamtlicher Helfer im THW-Ortsverband Reinickendorf.
-- Uwe Seiling Ausbildungsbeauftragter und Leitender der Übung

Text:
Fotos: Horst Engelhardt, OV Berlin-Reinickendorf

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Erstellt am Fr 14 Okt 2005 13:18:36 CEST.
Veröffentlicht am Di 18 Okt 2005 20:07:18 CEST.
Letzte Aktualisierung am Mi 19 Okt 2005 20:16:03 CEST.